Sie kennen es vielleicht aus dem Fernsehen, schlimmstenfalls jedoch aus eigener Erfahrung: Die Schlüsseldienst-Abzocke, wo aus der Not der verzweifelten Ausgeschlossenen noch versucht wird, Profit zu schlagen.

Das haben mittlerweile auch die Gerichte erkannt und gestehen den Geschädigten einen Rückzahlungsanspruch zu, falls diese quasi zum Vertrag „gezwungen“ wurden.

So wie eine Wohnungseigentümerin aus Essen. Sie hatte den Schlüsseldienst gerufen und sollte dafür am Ende 422 EUR zahlen.

Sie zahlte noch vor Ort, nachdem die Mitarbeiter des Schlüsselnotdienstes aggressiv wurden und sie unter Druck setzten. Nachträglich verlangte sie nun vor Gericht ihr Geld zurück. Zu Recht (AG Essen-Steele, Urteil v. 11.11.2015, 17 C 61/15).

Für unredliche Dienste müssen Sie nicht zahlen!

Zwar war ein Vertrag über das Türöffnen zustande gekommen. Allerdings hätte dem Schlüsselnotdienst nach § 242 BGB kein Anspruch auf die Vergütung zugestanden, weil der Vertrag auf missbilligende Weise zustande gekommen war.

Zum einen war der Wohnungsinhaberin verschwiegen worden, dass es sich um einen 24-Stunden-Schlüsselnotdienst gehandelt habe. Dabei hatte sie extra noch am Telefon mitgeteilt, dass es nicht eilig sei und sie somit nur einen Schlüsseldienst, aber keinen Notdienst benötige.

Fragen Sie nach dem Preis – und das schon am Telefon

Darüber hinaus habe sie zunächst um einen Kostenvoranschlag gebeten. Den konnten ihr die beiden Mitarbeiter des Notdienstes aber erst nach dem Öffnen der Tür geben. Damit hatten sie die Wohnungsinhaberin dazu gebracht, dem Öffnen der Tür erst einmal nicht zu widersprechen.

Außerdem hatte ihr niemand trotz Nachfrage einen Preis genannt. Selbst im Vertrag sei der Preis erst hinterher eingetragen worden. Zusätzlich hätten die Mitarbeiter des Schlüsseldienstes der Wohnungsinhaberin suggeriert, sie unterschreibe lediglich, dass sie die Eigentümerin der Wohnung sei.

Unredliches Verhalten“, attestierte das Gericht dem Schlüsselnotdienst.

Das endet damit, dass die Wohnungsinhaberin letzten Endes aufgrund des aggressiven Verhaltens der Mitarbeiter des Schlüsselnotdienstes die geforderten 422 EUR direkt vor Ort zahlt. Die Situation war für sie so ausweglos, dass sie nur zahlte, um die  Mitarbeiter wieder loszuwerden.

Da dem Schlüsseldienst wegen seines unredlichen Verhaltens kein Geld zustand, musste er alles wieder zurückzahlen.