Sie hegen und pflegen Ihre Tulpen, Rosen und den Phlox. Plötzlich ein kurzer dunkler Schatten über Ihnen und gleich danach ein dumpfes Plumps-Geräusch: Mal wieder ist ein Ball vom Nachbargrundstück mitten in Ihrem Blumenbeet gelandet und hat dort ihre geliebten Blumen abgeknickt.

Umsonst das monatelange Gießen, Säen, Schneiden und Düngen! Sie ärgern sich, denn es ist nicht das erste Mal, dass ein Ball auf Ihrem Grundstück landet und dort einen Schaden anrichtet. 

Wie viele Bälle Sportplatz-Nachbarn hinnehmen müssen  

Wer neben einem Sportplatz wohnt, muss nicht nur mit Flutlicht, wildem Parken und Lautsprecherdurchsagen an Wochenenden rechnen, sondern schlimmstenfalls auch mit regelmäßig herüberfliegenden Bällen.

Doch selbst als Nachbar eines Sportplatzes gibt es gewisse Grenzen, was den „Überflug“ betrifft: Dabei sind 135 Bälle im Jahr, die wegen eines zu niedrigen Ballfangzauns in Ihrem Garten landen, eindeutig zu viel!

135 Bälle im Jahr sind eindeutig zu viel!

So erging es dem Nachbar eines Sportvereins in Dessau. Der fischte im Jahr 135 Bälle aus seinem Garten und gab sie dem Verein zurück. Dabei hatte er die von den Sportlern selbst und eigenmächtig zurückgeholten Bälle noch gar nicht mitgezählt.

Die Ballrückholung ging nicht immer wortlos vonstatten, sondern oft genug lieferten sich der Nachbar und die Sportler Verbalattacken.

Vor Gericht ging es darum, wie oft der Ball auf dem Grundstück des Nachbarn landete. Der Sportverein bestritt, dass der Ball so oft rüber zum Nachbar geflogen sei. Das Gericht schaute sich den Trainingsplan auf dem Fußballplatz an und hielt die 135 Vorfälle im Jahr jedenfalls für möglich – und eindeutig für zu viel (OLG Naumburg, Urteil vom 23.11.2015, 12 U 184/14).

Es darf nur ein Ball pro Woche danebengehen

Der häufige Ballüberflug stelle eine wesentliche Beeinträchtigung des Grundstücks dar. Die Toleranzgrenze sei jedenfalls bei mehr als einem Ball pro Woche überschritten.

Deswegen verpflichtete das Gericht den Verein dafür zu sorgen, dass die maximale 1-Ball-pro-Woche-Grenze eingehalten wird. Ansonsten muss der Verein ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 EUR zahlen oder dem Vorstand drohen bis zu 6 Monate Haft.

Der Ballfangzaun muss mindestens 6 Meter hoch sein

Der Schuldige für den Ballüberflug war schnell ausfindig gemacht: Nicht die Sportler, sondern der zu niedrige Ballfangzaun war schuld. Der war an der Seite zum Grundstück des Nachbarn nur 4 Meter hoch. 6 Meter seien aber erforderlich, um einen „Überflug“ zumindest zu verringern.

Ärgerlich für den Nachbarn: Auf der anderen Seite des Spielfeldes stand ein Wald. An dieser Seite stand bereits ein 6 Meter hoher Zaun. Jetzt muss der Sportverein den Ballfangzaun auch auf der Seite zum Nachbarn auf 6 Meter erhöhen.

Wahlweise muss der Verein seine Trainingszeiten so reduzieren, dass nicht mehr so viele Bälle im Blumenbeet des Nachbarn landen.