Mittelfristig wird der Euroconstruct-Analyse zufolge der Tiefbau die Rolle des Markttreibers übernehmen, während sich im Wohnungsbau sowie im übrigen Hochbau die Zuwachsraten deutlich abschwächen. Bereits 2018 und 2019 werden für den Tiefbau jeweils vier Prozent mehr Bauvolumen erwartet.

Gleichzeitig wird laut Euroconstruct der Neubausektor in den kommenden Jahren an Schwung einbüßen. Im Jahr 2020 dürfte der Bestandssektor dann erstmals seit 2014 wieder stärker zunehmen als der Neubau.

Dass die Bautätigkeit in Deutschland noch einmal deutlich zunehmen wird, liegt Euroconstruct zufolge zum einen am großen Wohnungsbedarf, zum anderen an der gestiegenen Investitionsneigung der Unternehmen und der Tiefbau-Offensive des Bundes. Wenn auch hier das Wachstum deutlich an Schwung verlieren soll, dürften unter anderem im Wohnungsbau auch langfristig umfangreiche Investitionen erfolgen.

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag der arbeitstäglich- und preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im September 2017 um 0,7 Prozent höher als im August. Im Dreimonatsvergleich sank das Volumen der Auftragseingänge von Juli bis September 2017 gegenüber dem Zeitraum von April bis Juni 2017 um 2,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich war der preisbereinigte Auftragseingang im September um 1,5 Prozent höher.

Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe in Betrieben von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen lagen im September 2017 nominal mit rund sechs Milliarden Euro um 2,9 Prozent höher als im September des Vorjahres. Ein höherer Auftragseingang im September eines Jahres war laut Destatis zuletzt vor 18 Jahren erreicht worden (1999: 6,2 Milliarden Euro). Im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2016 stiegen die Auftragseingänge in den ersten neun Monaten 2017 nominal um 5,4 Prozent.

In manchen europäischen Ländern verhindern nach Angaben von Euroconstruct ausgeprägte Leerstände oder hohe Immobilienpreise eine stärkere Zunahme der Bautätigkeit. In Ungarn wird die Baunachfrage 2017 laut Euroconstruct mit einem Plus von rund einem Viertel am stärksten wachsen. Dahinter folgen Irland (15 Prozent), Schweden (zehn Prozent) und Polen (neun Prozent).

Ungarn wird laut Euroconstruct-Prognose auch bis 2020 den größten Zuwachs aufweisen (33 Prozent). Neben der staatlichen Wohnungsbauförderung spielt die konsequentere Nutzung der EU-Fördergelder im Nichtwohnbau eine wichtige Rolle. Auf dem zweiten Platz findet sich wiederum Irland (28 Prozent), gefolgt von Polen (25), Tschechien und Portugal (jeweils 15 Prozent).

Zu den 19 Ländern des Euroconstruct-Netzwerks gehören Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn.