Spekulationssteuer: Es kommt darauf an, wann der Schenker Eigentümer wurde

Eine geschenkte Immobilie verkaufen: Geht das so einfach oder „schlägt“ das Finanzamt dann mit der Spekulationssteuer zu? Die Spekulationssteuer wird üblicherweise immer dann fällig, wenn eine Immobilie innerhalb von 10 Jahren wieder verkauft wird. Dann unterstellt Ihnen das Finanzamt, dass Sie quasi mit Immobilien handeln und will deswegen am Gewinn „mit beteiligt“ werden.  

Zum Glück gilt jedoch für eine Schenkung steuerlich das Gleiche wie bei einer Erbschaft: Denn wie bei einer Erbschaft kommt es auch bei einer Schenkung nicht auf den Tag an, an dem die Immobilie auf den Beschenkten umgeschrieben wurde.

Das Finanzamt schaut vielmehr darauf, wann der oder die Schenker die Immobilie einst erworben haben. Ist das bereits länger als 10 Jahre her, brauchen Sie sich um die Spekulationssteuer keine Sorgen machen.

Beispiel: Immobilie wird nach 15 Jahren verschenkt 

Angenommen, ein Vater will seine vermietete Eigentumswohnung noch zu Lebzeiten seinem Sohn übertragen. Der Vater hatte die Eigentumswohnung vor 15 Jahren gekauft. Der Sohn möchte jedoch lieber das Geld, was er bei einem Verkauf der Wohnung bekommt, in sein Eigenheim stecken. 

Deswegen verkauft der Sohn die Wohnung kurz nach der Schenkung wieder. Er bekommt dafür sogar mehr als sein Vater damals für die Wohnung gezahlt hat. Muss er den Gewinn – also das, was er mehr bekommen hat als sein Vater gezahlt hat – versteuern? 

Wie lange Sie nach der Schenkung mit dem Verkauf warten müssen 

Nein! Denn beim Berechnen der Spekulationsfrist kommt es darauf an, wann die Immobilie erworben wurde und nicht, wann sie auf den Sohn übertragen wurde.

Und das heißt: Die 15 Jahre, in denen die Immobilie in der Hand des Vaters waren, zählen beim Berechnen der Spekulationsfrist mit. Deswegen kann der Sohn die Wohnung auch sofort nach der Schenkung auch wieder verkaufen, ohne den Gewinn mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern zu müssen.

Spekulationsfrist beginnt bereits mit dem Erwerb des Schenkers

Auf den Zeitpunkt, wann die Immobilie verschenkt wurde, kommt es also für die potenzielle Besteuerung des Gewinns („Spekulationssteuer“) nicht an. Einzig relevant ist, wann der Schenker einst das Objekt erworben hat.

Oder anders gesagt: Die Spekulationsfrist beginnt beim Schenker ab dem Zeitpunkt zu laufen, ab dem er das Objekt gekauft hat. Sie läuft nach der Schenkung bei der beschenkten Person weiter.

Der Beschenkte muss beim Verkauf also nur darauf achten, dass insgesamt nicht weniger als 10 Jahre zusammenkommen. Sonst muss der Beschenkte doch noch seinen Gewinn aus dem Immobilienverkauf als sogenanntes privates Veräußerungsgeschäft mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Verschenkt der Vater also eine vermietete Eigentumswohnung, die er gerade einmal 5 Jahre zuvor gekauft hat, müsste der Sohn also nochmals 5 Jahre mit dem Verkauf warten, falls er keine Spekulationssteuer zahlen will.