Die Antwort auf diese Frage beginnt mit einer guten Nachricht: Ein Erbe kann seinen Miterben deren geerbte Immobilienanteile abkaufen, ohne dass dafür eine Grunderwerbsteuer anfällt.

So steht es jedenfalls im Grunderwerbsteuergesetz (§ 3 Nr. 3 GrEStG). Allerdings gilt dieses Recht nicht unbeschränkt, sondern nur für Grundstücks(ver)käufe, die im Rahmen der Erbauseinandersetzung stattfinden.

Bei einer Erbengemeinschaft erben mehrere eine Immobilie gemeinsam

Konkret geht es ausschließlich um ein Haus oder eine Wohnung, das aus dem Nachlass stammt und gemäß Testament oder gesetzlicher Erbfolge mehreren Personen zusammen gehört. Diese Personengruppe heißt dann Erbengemeinschaft. Eine solche Erbengemeinschaft ist in aller Regel nicht auf Dauer angelegt. Vielmehr wird sie sich darauf verständigen müssen, was mit dem Erbe passiert. Dabei dürfen allerdings alle mitreden.

Wer erbt, wenn der Ehepartner stirbt 

Der häufigste Fall: Ein Mann verstirbt und hinterlässt Ehefrau und beispielsweise drei Kinder. Ein Testament hat er keines gemacht, also gilt die gesetzliche Erbfolge.

In aller Regel erben Ehefrau und Kinder dann zusammen den ganzen Nachlass, und damit auch die Immobilie, die dem Erblasser gehörten.

Besteht kein Ehevertrag und gehörte die Immobilie vor seinem Tod dem Ehemann allein, dann erbt die Ehefrau die Hälfte und die drei Kinder zusammen die andere Hälfte. Die Erbengemeinschaft besteht also aus vier Personen.

Erbauseinandersetzung: Anteile der Miterben steuerfrei kaufen

Eine Erbengemeinschaft ist meist eine mühevolle Sache – erst recht, wenn sich die Erben nicht ganz einig sind. Deswegen beschließen die Erben: Das Haus soll allein der ältere Bruder übernehmen.

Dazu kauft er seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern ihre geerbten Anteile ab. Normalerweise würde der Fiskus für einen solchen Immobilienkauf noch Grunderwerbsteuer verlangen.

Doch hier nicht. Denn es handelt sich um eine Erbauseinandersetzung, und die bleibt –  siehe oben – steuerfrei. Das Gleiche gilt auch für einen Tausch, wenn also etwa der Bruder zum Erwerb der Immobilienanteile die geerbte Luxuskarosse oder eine wertvolle Münzsammlung hergibt.

Vorsicht: Wird an Nicht-Erben verkauft, wird Grunderwerbsteuer fällig 

Verkauft die Erbengemeinschaft die Immobilie an einen fremden Dritten, ist der Verkauf nicht steuerbefreit, sofern der Käufer nicht zum Kreis der Miterben gehört. Der Käufer muss dann ganz normal die übliche Grunderwerbsteuer an den Staat zahlen. Die beläuft sich, je nach Bundesland, auf 3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises.