Ein lauwarmer Heizkörper spricht noch nicht für einen Abrechnungsfehler

Die Heizkosten sind immer zu hoch. Jedenfalls glaubt das der Mieter, wenn er Heizkosten nachzahlen soll. Dann fällt ihm auch meist erst ein, dass sein Heizkörper kaputt und damit die Heizkostenabrechnung falsch ist, weil der Heizkörper nur im oberen Bereich warm wird, während er unten kalt bleibt.

Tatsächlich sitzen die Heizkostenverteiler meist im oberen Bereich der Heizung. Wird der Heizkörper jedoch nur oben warm und bleibt er unten kalt, würde das nach Ansicht des Mieters das Messergebnis der Heizkosten verfälschen. Stimmt das?

Nein! Es ist völlig normal, dass die Heizkostenverteiler im oberen Bereich des Heizkörpers sitzen. Elektronische Heizkostenverteiler sollen nach der EN 834 sogar im oberen Drittel montiert werden. Danach sei eine Montagehöhe auf 65 % bis 75 % der Gesamthöhe sogar ideal.

Eine kühlere Heizungsunterseite zählt noch nicht als Fehler der Heizung

Laut Gericht sei es auch falsch, dass ein kühler oder kühlerer unterer Bereich der Heizung die Wärmemessung verzerren würde (AG Hanau, Urteil v. 20.4.2016, 37 C 393/13).

Technisch würde es nicht stimmen, dass ein Wärmefühler auf der Heizkörperoberfläche lediglich den oberen Bereich misst und daher quasi „vermutet“ und mitberechnet, dass die untere Seite genauso warm sei und deswegen eine höhere Wärmezählung erfolge, als tatsächlich vom Heizkörper abgegeben wird.  

Richtig ist: Eine kühlere Heizungsunterseite stellt noch keinen Fehler der Heizung dar!

Das ist vielmehr durch die geringere Dichte des heißen Wassers und die dadurch hervorgerufene waagerechte Schichtung bedingt: Das obere Drittel gibt dann mehr oder gegebenenfalls alleine Wärme ab. Das Wasser wird dadurch beim Durchlauf nach unten abgekühlt.

Das würde laut Gericht allerdings schon beim individuellen Ansetzen des Bewertungsfaktors für die  Größe und die Art des Heizsystems berücksichtigt (Langenberg/Zehelein, Betriebskosten- und Heizkostenrecht, 8. Aufl. 2016, K Rz. 280). Je höher der Durchlauf beim Heizkörper durch eine stärkere Ventilöffnung, desto gleichmäßiger wird die Wärme verteilt.  

Eine kühlere Heizungsunterseite ist systembedingt

Eine kühlere Heizungsunterseite bei einer schwachen Ventilöffnung ist also normal. Das stellt keinen Fehler des Heizkörpers dar, sondern ist systembedingt! Lässt sich der Heizkörper jedoch nur bedingt erwärmen, weil beispielsweise das Ventil kaputt ist, kommt es zwar zu einer geringeren Durchlaufgeschwindigkeit und Temperaturunterschieden innerhalb des Heizkörpers.

Doch auch das ist bei einer (auch willentlichen) nur geringen Öffnung des Ventils normal und wird bei der Wärmeerfassung entsprechend berücksichtigt. Erwärmt sich der Heizkörper also nur im oberen Bereich, könnte der Mieter allenfalls die Miete mindern, wenn es deswegen in der Wohnung nicht richtig warm wird.