Was tun, wenn Ihnen Ihr Mieter ein Lärmprotokoll präsentiert

Nicht nur eins, sondern gleich mehrere Kinder wohnten zusammen mit ihren Eltern in einer Berliner Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung. Sie waren erst vor 4 Jahren eingezogen. Die Mieterin darunter wohnte bereits seit 12 Jahren in ihrer Erdgeschosswohnung.

Seit dem Einzug der Familie beklagte sich die Mieterin der Erdgeschosswohnung über den Lärm aus der über ihr liegenden Wohnung. Sie hatte sogar ein „Lärmprotokoll“ geführt. Darin stand unter anderem:

–          Lautes Hin- und Herrennen,

–          Poltern,

–          Stampfen,

–          Herumtrampeln,

–          Springen auf (den) Boden, laute Sprache,

–          Vater brüllt, Kind schreit

Kinderlärm: Wer in einer öffentlich geförderten Wohnung wohnt, muss toleranter sein

Die Mieterin der Erdgeschosswohnung verlangte vom Vermieter, etwas gegen die Störungen zu unternehmen. Außerdem wollte sie vom Gericht klären lassen, dass sie die Miete um 50 % mindern dürfte – und das rückwirkend, so dass der Vermieter ihr noch ca. 9.000 Euro zahlen sollte.

Der Vermieter hatte jedoch Glück: Beide Instanzen lehnten die Klage ab (LG Berlin, Urteil v. 5.9.2016, 67 S 41/16). Die Wohnung, die die Mieterin gemietet hatte, war nämlich mit Hilfe öffentlicher Mittel gefördert worden.

Ziel der öffentlichen Förderung sei es, gerade für Familien mit mehreren Kindern preisgünstigen Wohnraum zu schaffen.

Trampeln, poltern, schreien: Kinder kommunizieren anders als Erwachsene

Zudem sei es allgemein bekannt, dass es sich bei den von der Mieterin im „Lärmprotokoll“ festgehaltenen Störungen um typischen Lärm bei kinderreichen Familien handele: Kleinkinder könnten sich eben nicht wie Erwachsene verbal auseinandersetzen und hätten zudem einen größeren Bewegungsdrang, so dass eine leise Art der Fortbewegung nicht möglich wäre.

Außerdem seien die mit der Erziehung und Beaufsichtigung der Kinder beschäftigten Eltern gelegentlich nervlich überfordert, so dass es zu gereizten Reaktionen kommen könne.

Je teurer die Wohnung, umso geringer die Lärmtoleranz bei Kinderlärm

Gerade Mieter in öffentlich geförderten, familientauglichen Wohnungen müssten deswegen ein höheres Maß an „Geräuschtoleranz“ an den Tag legen als Mieter von extrem teuren Altbauwohnungen, Luxusappartements oder als „seniorengerecht“ angebotenen Wohnungen.

Deswegen war im vorliegenden Fall das Maß der bei einer üblichen Wohnnutzung hinzunehmenden Störung noch nicht überschritten.