Es ist schon manchmal merkwürdig: Da wollen Sie dem Mieter etwas Gutes tun und ihm einen pflegeleichten und schicken Laminatfußboden verlegen, doch der lehnt dankend ab und pocht auf kuscheligen Teppich. 

Moment einmal: Das ist doch Ihre Wohnung und Ihr Fußboden. Deswegen dürfen auch Sie entscheiden, was in die Wohnung kommt. Tja, denken Sie so – doch die Gerichte denken und urteilen oftmals anders als erhofft. 

Wenn der Mieter einen neuen Teppich will

Haben Sie dem Mieter eine Wohnung mit Teppichboden vermietet und ist der Teppichboden im Lauf der Zeit durch normale Abnutzung verschlissen, müssen Sie ihn auf eigene Kosten erneuern. Weil der Teppich Ihnen gehört, fällt das unter Ihre Instandhaltungspflicht als Vermieter.

Hat Ihr Mieter den Teppich allerdings selbst verlegt oder vom Vormieter ausdrücklich übernommen, ist es sein Teppich. Sieht der irgendwann verschlissen aus und will der Mieter einen neuen haben, muss er ihn sich selbst kaufen bzw. spätestens beim Auszug wieder rausreißen und mitnehmen.

Klären Sie zunächst, wem der Teppich gehört

Ein Stuttgarter Mieter wollte, dass ihm sein Vermieter nach einer Mietdauer von 17 Jahren einen neuen Teppichboden in seiner Wohnung verlegt.

Zu Recht, denn der bisherige Teppich war sichtbar stark abgenutzt und erneuerungsbedürftig! Darüber waren sich der Vermieter und sein Mieter einig. Allerdings nicht darüber, was nun in der Wohnung verlegt werden sollte.

Der Vermieter darf nur unwesentliche Veränderungen vornehmen

Der Mieter wollte lieber Teppich, der Vermieter dagegen Laminat. Deswegen trafen sich beide vor Gericht wieder. Das Ende vom Lied: Der Vermieter musste wieder einen Teppichboden in der Mieterwohnung verlegen (Stuttgart, Urteil vom 1.7.2015, 13 S 154/14).

Der Vermieter darf zwar im Rahmen seiner Erhaltungspflicht die Mietsache verändern. Allerdings nur unwesentlich und auch nur ohne Wertverlust.

Teppich statt Laminat: Das Wohlfühlinteresse des Mieters wiegt höher

Nun würde sich wahrscheinlich jeder Mieter freuen, wenn Sie ihm statt Teppich Laminat in die Wohnung legen würden. Nicht so der Stuttgarter Mieter: Der wollte lieber weiterhin einen Teppichboden in seiner Wohnung haben.

Laminat statt Teppich empfand er als wesentliche Abweichung vom bisherigen, gewollten Zustand. Der Mieter wollte auf das wohlige Wohngefühl eines Teppichbodens nicht verzichten. Muss er auch nicht: Das Gericht bewertete das Interesse des Mieters, an seinem Wohlgefühl festhalten zu wollen, höher als das Interesse des Vermieters an einem langlebigen und besser zu pflegenden Laminatboden.

Dabei kam es dem Gericht weniger auf die objektive Wertigkeit eines Teppichbodens gegenüber einem Laminatfußboden an, sondern es stellte vielmehr auf das subjektive Empfinden des Mieters ab, der einfach lieber einen Teppichboden in der Wohnung haben wollte.