Im Jahr 2015 veröffentlichte der Berufsverband RICS den Bericht „Our changing world: let‘s be ready“. Darin werden die sechs wesentlichen Trends erörtert, die die Immobilienwirtschaft in den kommenden Jahren entscheidend prägen werden. Bei einem dieser Trends geht es um den „Kampf um die besten Nachwuchskräfte“ – und um das Thema Personal Agility. Diesen Begriff hielt ich zunächst für einen weiteren kurzlebigen Hype.

Nachdem ich jedoch mehr darüber gelesen und mich eingehend mit dem Konzept beschäftigt hatte, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die persönliche Flexibilität auch langfristig relevant bleiben wird – insbesondere für die Rekrutierung von jungem Fachpersonal in der Immobilienwirtschaft.

Aus folgenden Gründen halte ich die persönliche Flexibilität für eine der wertvollsten Kernkompetenzen eines Immobilienexperten. Die Welt verändert sich immer schneller, sodass wir uns fortwährend an neue Situationen und Gegebenheiten anpassen müssen. Doch entscheidend ist nicht nur die Geschwindigkeit der Veränderung, sondern auch die steigende Komplexität der Welt um uns herum.

Durch die zunehmende Digitalisierung und die rasant wachsende Nutzung von Social Media stehen uns immer mehr Informationen zur Verfügung. Aber das ist noch nicht alles: Laut aktuellen Forschungsergebnissen werden 35 Prozent der Kompetenzen, die wir heutzutage als wesentlich erachten, spätestens in fünf Jahren irrelevant sein. Die Flexibilität der Fähigkeiten und Kompetenzen ist deshalb ein entscheidender Faktor, um sich auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft durchsetzen zu können.

Persönliche Flexibilität beruht auf drei wesentlichen Faktoren: Fähigkeiten, Verhalten und Motivation.

Fähigkeiten: Fähigkeiten sind vergleichsweise leicht zu erlernen, da es hier insbesondere auf Aus- und Weiterbildung ankommt. Beispiele sind das Erlernen einer neuen Sprache oder die Fähigkeit, ein Meeting oder ein ganzes Projekt zu leiten. In der Vergangenheit waren diese Kriterien entscheidend für die Auswahl und Einstellung von Bewerbern.

Verhalten: Der zweite wesentliche Faktor ist das Verhalten. Verhaltensweisen lassen sich nur schwer verändern, da sie von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen abhängig sind. Dazu zählen unter anderem Durchhaltevermögen, Anpassungsfähigkeit, Lernkompetenz, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit, Kreativität und Umgang mit anderen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich persönliche Verhaltensweisen mit der Pubertät herausbilden und ab dem 30. Lebensjahr fest verankert sind. Daher lassen sie sich kaum beeinflussen, können aber sehr gut gemessen werden. Ein übliches Instrument ist der unter Psychologen beliebte „Big Five Test“, der Fachkräfte in den Kategorien Extrovertiertheit, Umgang mit anderen, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität und Kreativität bewertet.

Motivation: Der letzte Faktor ist die Motivation. Sie wird schon in der frühesten Kindheit geprägt, zwischen der Geburt und dem 18. Lebensjahr. Unter Motivation werden die Faktoren zusammengefasst, die Personen antreiben und ihnen einen Lebensinhalt geben. Insgesamt gibt es rund 400 Faktoren, die eine Person zur Ausübung ihres Berufs motivieren können. Die drei wichtigsten sind Leistung, Beziehungen und Einfluss.

Selbstverständlich sind alle drei Faktoren gleich bedeutsam und ein Mitarbeiter muss mit seinem Profil zur angestrebten Position passen. Allgemein ist ein Mix der drei Motivationsarten erfolgversprechender, der Schwerpunkt ist von der Position abhängig.

Wie oben dargestellt: Neue Fähigkeiten sind relativ leicht erlernbar, Verhaltensweisen lassen sich nur schwer ändern und der Motivationstyp ist mehr oder weniger unveränderlich.

Entscheidend sind jedoch alle drei Faktoren gleichermaßen, da sie die Flexibilität eines Mitarbeiters und damit seine Erfolgsaussichten in der Berufswelt der Zukunft bestimmen. Flexibilität ist messbar, und es stehen neue Methoden zur Verfügung, die anhand von Kriterien testen können, wie flexibel ein Mitarbeiter ist.

Natürlich kann an dieser Stelle nur ein kurzer Einblick in das Thema gewährt werden. Der Zweck dieses Beitrags aber ist es, Personen, die nach einer Fachkraft suchen oder sich als Fachkraft bewerben, einen Einblick zu geben, welche Anforderungen hinsichtlich Fähigkeiten und Kompetenzen in Zukunft maßgeblich sein werden – und dazu gehört zweifelsohne das Thema der persönlichen Flexibilität.