Ich habe eine sehr spezielle Frage zur Immobilien-Schenkung. Meine Mutter hat neu geheiratet und ich bin der einzige Nachkomme. Meine Mum und ihr Mann wollen ihr Haus (50/50 Anteil) komplett an mich verschenken. Welche Freibeträge stehen mir dann zu? Von meiner Mutter kann ich sicherlich 400.000 Euro in Anspruch nehmen, aber was gilt bei ihrem neuen Mann?

 

Diese interessante, steuerliche Frage interessiert sehr wahrscheinlich viele Leser – und zwar bevor sie Post vom Finanzamt bekommen. Hier die Antwort.

Bei Schenkungen kommt es ausschließlich darauf an, in welchem verwandtschaftlichen oder ehelichen Verhältnis der Schenker zum Beschenkten steht.

Angenommen Schenker und beschenkte Person sind miteinander verheiratet. Zwischen Ehepartnern und Lebenspartnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro.

Ansonsten kommt es auf die Abstammung bzw. den Verwandtschaftsgrad an. Für Kinder und Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, sowie für Stief- und Adoptivkinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro. Für Enkelkinder sind es immerhin noch 200.000 Euro.  

Die gleichen Freibeträge gelten übrigens auch, wenn ein Haus vererbt wird.  

Immobilie verschenken: Worauf es bei Freibeträgen ankommt

De facto heißt das: Sie stammen in direkter Linie von Ihrer Mutter ab und können deshalb als Kind einen Freibetrag von 400.000 Euro in Anspruch nehmen.

Mit dem neuen Mann Ihrer Mutter sind Sie jedoch naturgemäß weder verwandt noch verheiratet, sie sind aber sein Stiefkind. Dieser Begriff ist zwar im Bürgerlichen Gesetzbuch nirgends definiert, aber im Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz kommt er vor (ohne weitere Definition). Die Heirat Ihrer Mutter qualifiziert Sie als Stiefkind ihres neuen. Mannes.. Demnach haben Sie für seinen Anteil an der Immobilie den gleichen steuerlichen Freibetrag wie ein leibliches Kind. Das gilt sowohl für Schenkungen als auch – und das ist der häufigere Fall – für Schenkungen.

Aber Achtung: Stiefkinder sind im Erbrecht nicht privilegiert

Anders als im Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht gibt es im Erbrecht keine bevorzugte Behandlung von Stiefkindern. Das heißt: Wenn Sie als Stiefkind nicht ausdrücklich im Testament erwähnt werden, haben Sie als Stiefkind keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Erbteil. Leibliche Kinder und Adoptivkinder haben diesen Anspruch dagegen. Sie erben in  der Regel neben dem Ehegatten die Hälfte. Sind es drei Kinder, bekommt also jedes ein Sechstel (ein Drittel von der Hälfte, die die Kinder zusammen erben).

Deshalb gilt es, bei Stiefkindern besondere Vorkehrungen zu treffen. Bei einer Immobilienschenkung passiert das sowieso: Die Schenkungsurkunde muss notariell aufgesetzt werden, sonst wäre sie nicht gültig. Bei einer Erbschaft dagegen muss im Testament vermerkt sein, ob das Stiefkind erbt und ggf. welchen Anteil oder was genau.