Sie haben ein angenehmes Nachbarschaftsverhältnis und wollen, dass das auch so bleibt. Schon deswegen sollten Sie als Immobilienbesitzer rücksichtsvoll gegenüber Ihren Nachbarn handeln – denn der muss selbst auf dem eigenen Grundstück nicht alles erdulden.

Dazu raten die Experten der ARAG in einer aktuellen Pressemitteilung.

Hecke an der Sichtschutzwand: Wie hoch die wachsen darf

Pflanzen, die hinter einer Sichtschutzwand stehen, dürfen Sie nicht unbegrenzt in die Höhe wachsen lassen. Wachsen sie höher als die Wand und beeinträchtigen sie dann den Nachbarn, hat dieser laut ARAG Experten einen Anspruch auf Rückschnitt.

Zwar gilt der gesetzlich geregelte Mindestabstand zur Grundstücksgrenze von 50 Zentimetern bzw. von zwei Metern bei einer Pflanzenhöhe von über zwei Metern nicht, wenn sich die Pflanzen hinter einer Mauer oder dichten Einfriedung befinden.

Dies gilt aber nur, wenn die Pflanzen die Sichtschutzwand nur unerheblich überragen (AG München, Urteil v. 16.7.2012, 173 C 19258/09). Im entschiedenen Fall ging es um Eiben und Thujen, die 20 cm über die Sichtschutzwand ragten. Der Eigentümer musste sie bis auf die Wandhöhe zurückschneiden. 

Hahn im Garten: Wann der krähen darf  

Der Trend zur Selbstversorgung steigt, doch wer plant, Ackerbau und Viehzucht im eigenen Garten zu betreiben, sollte vorher checken, ob dies nachbarverträglich ist. Nicht jeder Nachbar erfreut sich an einem fröhlichen, frühmorgendlichen „Kikeriki“.

Was das erlaubte Krähen von Hähnen anbetrifft, ist die Rechtsprechung durchaus unterschiedlich. Hier gilt als Faustregel: In der Zeit von 19 Uhr am Abend bis zum nächsten Morgen um acht Uhr sollte kein Weckruf erschallen. Da das Federvieh sich ungern an solche Zeitangaben hält, gibt es oft Ärger mit den Nachbarn.

Hühnerhaltung: Notfalls muss Ihr Stall schalldicht sein

Laut ARAG Experten kann ein schalldichter Stall mit einem per Zeitschaltuhr geregelten Türöffner helfen. Wer einen festen Hühnerstall plant, muss sich über das Baurecht informieren. Vier Hennen und ein Hahn in einem mobilen Stall sind sogar in einem reinen Wohngebiet baurechtlich in Ordnung.

Denken Sie aber daran, Ihre Hühner dem Veterinäramt und der Tierseuchenkasse zu melden.

Beim Halten von Kühen oder Pferden kommt es im Wesentlichen darauf an, wo Ihr Grundstück liegt, denn auf dem Land gehört die Tierhaltung zum Alltag und eine landwirtschaftliche Nutzung von Grundstücken ist dort üblich.

Wann und wie oft Ihr Nachbar auf dem Balkon grillen darf

Das Grillen gehört zu den liebsten Sommer-Hobbys der Deutschen. Wie oft Grillen aber erlaubt ist, haben die Gerichte laut ARAG Experten sehr unterschiedlich entschieden: Während ein Bremer von April bis September einmal monatlich seiner heißen Leidenschaft frönen darf, wenn er den Nachbarn 48 Stunden vorher darüber informiert (AG Bonn, Urteil v. 29.4.1997,  6 C 545/96), ist in Stuttgart nach dreimaligem Grillen für jeweils zwei Stunden Schluss mit dem Würstchenessen (LG Stuttgart, Beschluss  v. 14.8.1996, 10 T 359/96). 

Nach Auffassung des OLG Oldenburg (Urteil v. 29.7.2002, 13 U 53/02) kann es bis zu viermal im Jahr „sozialadäquat“ sein, zu grillen. Das Grillen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses kann durch eine Regelung in der Hausordnung auch ganz und gar verboten werden.