Garten wässern: Nachbarschaftshilfe kann teuer enden

Es war eigentlich nur nett gemeint: Während der Eigentümer von nebenan in Kur war, sollte der Nachbar den Garten wässern.

Leider war am Ende nicht nur der Garten nass, sondern auch das Untergeschoss des Hauses. Dafür wollte der geschädigte Eigentümer über 11.000 EUR Schadenersatz vom netten Nachbar haben. Erst vor dem BGH bekam der geschädigte Eigentümer Recht (BGH, Urteil v. 26.4.2016, VI ZR 467/15).

Wer einen Gartenschlauch benutzt, muss ihn richtig zudrehen!

Der freundliche Nachbar hatte zum Wässern des Gartens den Wasserschlauch des Gartenbesitzers benutzt. Der war an der Außenzapfstelle des Hauses montiert. Als er mit dem Wässern des Gartens fertig war, drehte er aber nicht – wie es eigentlich richtig gewesen wäre! – den Wasserhahn zu, sondern er drehte das Wasser nur an der Schlauchspitze ab.

Durch den Wasserdruck löste sich irgendwann der Schlauch und das Wasser lief in das Untergeschoss des Hauses des Gartenbesitzers und verursachte dort den Wasserschaden.

Wie Sie bei einem reinen Gefälligkeitsverhältnis haften

Die Nachbarn leisteten sich schon seit vielen Jahren gegenseitig Nachbarschaftshilfe und wässerten sich gegenseitig den Garten, wenn einer von beiden nicht zu Hause war. Zu einem Schaden war es bisher nie gekommen.

Rechtlich ist es so: Ein reines Gefälligkeitsverhältnis begründet zwar keine vertraglichen Rechtspflichten. Bei der Bereitschaft, den Garten des Nachbarn während dessen Abwesenheit zu wässern, handelt es sich um eine pure, nicht vertragliche Gefälligkeit des täglichen Lebens.

Allerdings: Daneben gibt es noch den gesetzlichen Schadensanspruch aus § 823 Abs. 1 BGB. Dazu gehört, dass der Nachbar alles unterlässt, was zu einer Schädigung des Hauseigentümers führen könnte.

Nachbarschaftshilfe: Trotz fehlendem Vertrag können Sie haften!

Nach dieser deliktischen Vorschrift haftet der Nachbar selbst bei einem bloßen Gefälligkeitsverhältnis für ein leicht fahrlässiges Handeln und nicht erst, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig einen Schaden verursacht (BGH, Urteil v. 26.4.2016, VI ZR 467/15).

Aus der Haftung bei leicht fahrlässigem Handeln sind Sie dann nur raus, wenn Sie mit Ihrem Nachbarn einen Haftungsverzicht vereinbart haben. Von so einem Haftungsverzicht gehen die Gerichte jedoch nur dann aus, wenn

  • der Schädiger keine Haftpflichtversicherung hat,
  • für ihn ein nicht hinzunehmendes Haftungsrisiko besteht und
  • im konkreten Fall besondere Umstände vorliegen, die einen Haftungsverzicht als besonders naheliegend erscheinen lassen.

Wer eine private Haftpflichtversicherung hat, haftet für leichte Fahrlässigkeit

Das Wässern des Gartens ist eine typische, an sich ungefährliche Gefälligkeit, die normalerweise über eine Privathaftpflichtversicherung abgedeckt ist. Eine Haftungsbeschränkung oder sogar ein Haftungsverzicht würde demnach nicht den schädigenden Nachbarn, sondern allenfalls seine Haftpflichtversicherung entlasten. Deswegen blieb es beim Schadenersatzanspruch des Gartenbesitzers.

Sogar bei einer Gefälligkeit innerhalb einer engen persönlichen Beziehung bleibt der BGH hart: Das bedeutet nicht ohne Weiteres, dass zwischen dem Geschädigten und dem Schädiger ein Haftungsverzicht besteht!