Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Nachbar hätte 300 Hähne und Hennen und diese würden Sie jeden Morgen mit ihrem Kikeriki und Gegacker wecken. Jetzt können Sie vielleicht nachempfinden, wieso der Nachbar dieses Hobbyzüchters schon jahrelang gegen ihn einen Rechtsstreit führt.

Dabei geht es darum, ob von dem Federvieh auf dem Hof unzumutbarer Lärm ausgeht oder das Gekrähe noch „ortsüblich“ ist.

Hühnern droht zeitweiliges „Ausgehverbot“

Für das Amtsgericht Brandenburg/Havel steht fest, dass von dem Hühnerhof zumindest zeitweilig eine wesentliche Beeinträchtigung des gegenüberliegenden Nachbargrundstücks ausgeht. Deswegen könnte der Rechtsstreit damit enden, dass gegen das Gefieder ein zeitweiliges Ausgehverbot erteilt wird. Beispielsweise werktags von 20 bis 8 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zusätzlich zwischen 12 und 15 Uhr.

Hähne dürfen nicht lauter krähen als vorbeifahrende Autos

Dem Nachbar wäre es am liebsten, wenn sich höchstens zwei Hähne im Freien aufhalten würden und dass deren Kikeriki nie lauter wäre als 55 Dezibel. Der Hobbyzüchter hatte selbst mit seiner Smarthphone-App jedoch nur 49 und 50 Dezibel gemessen, bei etwa 50 Krählauten die Stunde.

Da sind sogar die vorbeifahrenden Autos und Traktoren lauter“, behauptet zumindest der Herr des Gefieders, der mittlerweile sowieso nur noch 5 statt 8 krähende Tiere hält. Außerdem hatte er seine Hühnerrasse mittlerweile gewechselt: Statt „Antwerpener Bartzwerge“ hielt er nur noch leiser krähende japanische Zwerghühner der Rasse „Chabos“.  

Gütetermin im Hahnenrechtsstreit vereinbart

Wahrscheinlich mit ein Grund dafür, weshalb der Nachbarschaftsstreit nun wohl doch gütlich beigelegt wird, denn in der Gerichtsverhandlung vom 10.10.2016 vereinbarten die Parteien einen Gütetermin, der voraussichtlich im November stattfinden soll.

Schon ein einzelner Hahn kann Beeinträchtigung darstellen

Das Landgericht München hatte den Eigentümer des Hahnes „Blasi“ wegen dessen Lärmstörung zur Unterlassung verurteilt. „Blasi“ krähte tagsüber so laut und oft, dass sich der Nachbar auf seiner 8-10 Meter entfernten Terrasse gestört fühlte (LG München I, Urteil vom 3.3.1989, 30 O 1123/87).

Etwas anderes kann jedoch gelten, wenn es sich um eine ländliche Gegend und um ein ursprünglich landwirtschaftlich genutztes Grundstück handelt, an das mit der Zeit die Wohnbebauung näher herangerückt ist (LG München I, Urteil vom 23.12.1986, 23 O 14452/86).

Weg mit Hühnerstall und Komposthaufen von der Grundstücksgrenze

Auch das Landgericht Hildesheim schlug sich auf die Seite des Nachbarn und verlangte vom Eigentümer eines Hahnes, „die Beeinträchtigungen durch seinen krähenden zu mindern bzw. zu beseitigen“.

Der Hühnerstall befand sich direkt neben der Grundstücksgrenze. Doch nicht nur das: Auch der Misthaufen stank dem Nachbarn, weswegen der nun an eine andere Stelle umgesetzt werden musste (LG Hildesheim, Urteil vom 21.2.1990, 7 S 541/89).

In einem ländlichen Gebiet darf ein Hahn sogar nachts um 3 Uhr krähen. Das hat das Landgericht Kleve entschieden (LG Kleve, Urteil vom 17.1.1989, 6 S 311/88). Der Hahn muss nicht in einen schalldichten Hühnerstall. Das gilt jedenfalls, wenn in der Nachbarschaft (dörfliche Gegend) das Halten von Nutztieren, wie Hühnern oder Enten, noch als ortsüblich anzusehen sind.

Schalldichter Stall: Wann der Hahn nach draußen darf

Weniger „hahnfreundlich“ urteilte dagegen das Verwaltungsgericht Freiburg über einen Hahn in Efringen-Kirchen. Der Hahn darf sich jetzt nur noch werktags von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr sowie sonn- und feiertags auch von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr und von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr im Freien aufhalten und dort krähen.

Die Nächte und die mittägliche Ruhezeit an Sonn- und Feiertagen muss er in einem schallisolierten Stall verbringen.