Vielleicht haben Sie das auch schon einmal gesehen: Sie schalten das Licht im Bad an und schwupps zappelt kurz etwas auf dem Boden, bevor es in einer Fliesenfuge oder dem Abfluss verschwindet. Die Rede ist von silbrig schuppigen, flügellosen, lichtscheuen und zudem unheimlich flinken kleinen Silberfischen, die sich leider gern in luftfeuchten Räumen wie Badezimmer, Waschküche oder feuchten Abstell- und Speisekammern tummeln.

 

Die werden zwar nur 10 bis 12 mm groß, sie können aber zu einer echten Qual werden. Noch dazu, wenn der Mieter deswegen gleich die Miete mindern will. Darf er? Sie werden die Antwort schon erahnen. Sie lautet mal wieder: Es kommt drauf an! Dieses Mal auf die Anzahl und die Häufigkeit der kleinen, unerwünschten Besucher.

Ab wieviel Silberfischen der Mieter mindern darf 

Ach, so ein paar Silberfischchen: Die machen doch nichts!“, sagt sich manch ein Vermieter. Doch das sieht nicht jeder so – und schon gar nicht der eine oder andere Mieter. Am Ende müssen dann oft die Gerichte entscheiden, ob schon ein paar kleine Silberfische an Ihrer Miete nagen dürfen. Dabei sind sich selbst die Gerichte uneins darüber, ob und ab wann Silberfischchen als Minderungsgrund taugen.

Geht es nach dem Amtsgericht Lahnstein, können schon 10 – 15 Silberfische am Tag in einer Wohnung einen Mangel der Mietsache darstellen und eine Mietminderung von 20 % rechtfertigen (AG Lahnstein Urteil v. 19.10.1987, 2 C 675/87).

Beim Amtsgericht Köln sieht man das ähnlich, allerdings griff man dort bei der Minderungshöhe etwas tiefer: Tauchen im Kinderzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche und der Diele der Wohnung Silberfische auf, gilt das zwar als Mangel der Mietsache. Deswegen darf der Mieter die Miete aber nur um 5 % mindern (AG Köln Urteil v. 27.6.2006, 201 C 254/05).

Nicht jedes Silberfischchen rechtfertigt gleich eine Mietminderung

Zeigen sich dagegen nur 2 bis 5 Silberfischchen täglich, soll das den Mieter noch nicht in seinem vertragsgemäßen Gebrauch einschränken, so dass ihm kein Mietminderungsrecht zusteht (LG Berlin, Urteil v. 18.11.2004, 67 S 173/04).

Ähnlich großzügig urteilte auch das Landgericht Lüneburg: Treten in den Feuchträumen einer Mietwohnung nur hin und wieder Silberfische auf, darf der Mieter deswegen nicht gleich mindern (LG Lüneburg, Urteil v. 11.6.1998, 4 S 394/97).

Die Begründung des Gerichts: Es lässt sich nicht immer verhindern, dass zeitweise Silberfische in Feuchträumen auftauchen können. Jedoch darf die Belastung mit Ungeziefer nicht das übliche Maß übersteigen. Was allerdings das „übliche Maß“ ist, dazu schwieg das Urteil. 

Liegt jedoch ein starker Befall mit Silberfischen vor (es ging um 20-25 Silberfische täglich), darf der Mieter die Miete nach einem Urteil um 15 % mindern (AG Berlin-Tiergarten Urteil v. 14.3.1990, 7 C 118/89).

Silberfische: Darf der Mieter deswegen kündigen?

Darf der Mieter wegen ein paar Silberfischen gleich fristlos kündigen? Nein, denn Silberfische stellen keine Gesundheitsgefährdung, sondern allenfalls eine erhebliche Belästigung dar (AG Lahnstein, Urteil v. 19.10.1987, 2 C 675/87 WuM 1988, 55-56).

Sie werden bisher nicht als gefährlich, sondern lediglich als allgemein anerkannte, harmlose Kleininsekten eingestuft. Jedoch durfte der Mieter wegen der regelmäßig auftauchenden 10 bis 15 Silberfischchen die Miete um 20 % mindern.