Sie wissen wahrscheinlich: Wenn Sie innerhalb von 10 Jahren Ihre Immobilie wieder verkaufen, droht Ihnen die sogenannte Spekulationssteuer. Das bedeutet, dass Sie den Verkaufsgewinn versteuern müssen. 

Die Höhe bestimmt sich nach dem normalen Einkommensteuersatz. Was aber gilt, wenn Sie Ihre Immobilie gezwungenermaßen verkaufen müssen? Etwa weil Sie plötzlich behindert sind und deswegen in eine andere, behindertengerechtere Wohnung ziehen müssen? 

Wenn Sie das Leben zum Hausverkauf zwingt

Nachdem ich 2008 mein Traumhaus (Reihenendhaus über 4 Etagen) gekauft hatte, wurde ich gehbehindert. Ein Umbau wäre schwierig und zu kostenintensiv geworden. Also vermietete ich zunächst mein Haus, und zog in eine Wohnung auf einer Ebene, weil ich immer noch darauf hoffte, irgendwann wieder laufen zu lernen!“  

Diese Anfrage erreichte neulich unsere Redaktion.  

Tatsächlich wurde die Dame Anfang 2012 auf Dauer als 100 % gehbehindert mit dem Kennzeichen G und aG eingestuft. Sie musste sich eine barrierefreie Wohnung suchen, die es leider nur zum Kauf gab. 

Um sich die Wohnung leisten zu können, musste sie das Haus verkaufen. Nun wollte das Finanzamt ab dem Zeitpunkt des Hausverkaufs Spekulationssteuer von ihr haben.

Finanzamt kennt beim Hausverkauf keine Privilegien für Behinderte

Tatsächlich sieht das deutsche Steuerrecht bei privaten Veräußerungsgeschäften keine Ausnahmen für behinderungs- bzw. krankheitsbedingte Verkäufe vor.

Das heißt im Klartext: Dem Finanzamt ist es egal, aus welchen Gründen Sie Ihr Reihenendhaus verkaufen müssen. Es zählt nur, wann Sie es verkauft haben. Ist der Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist erfolgt, dann müssen Sie den Gewinn auch versteuern. 

Wichtig: Bei Selbstnutzung gilt eine kürzere Spekulationsfrist 

Ein Hoffnungsschimmer, doch noch um die Spekulationssteuer herumzukommen, gibt es allerdings normalerweise: Der betrifft eine selbstgenutzte Immobilie.

Haben Sie die später verkaufte Immobilie im Jahr des Verkaufs und in den beiden vorangegangenen Jahren selbst genutzt, können Sie sie verkaufen, ohne dass „Spekulationssteuer“ anfällt.

Spekulationssteuer: Wer erst vermietet und dann verkauft, hat Pech gehabt

Dummerweise scheint dies allerdings im hier geschilderten Fall nicht zuzutreffen: Das Haus wurde erst einmal vermietet, in der Hoffnung, später doch wieder selbst einziehen zu können.

Dadurch hat sich die Spekulationsfrist wieder auf volle 10 Jahre ausgeweitet. 

Deswegen bleibt es leider dabei: Um die „Spekulationssteuer“ (Einkommensteuer auf Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften) werden Sie wohl nicht herumkommen.