Haben Sie vor ungefähr 5-10 Jahren einen Darlehensvertrag für Ihre Immobilie abgeschlossen und ärgern Sie sich Monat für Monat über die viel zu hohen Zinsen, die Sie dafür zahlen? Dann sollten Sie schleunigst prüfen, ob Ihr Darlehensvertrag aufgrund einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung widerrufbar ist.

Mit einem Widerruf könnten Sie dann den alten, teuren Kreditvertrag vorzeitig beenden und einen neuen Vertrag zu den jetzt günstigeren Zinsen abschließen.

Wie die Banken auf Ihren Widerruf reagieren

Klar ist Ihre Bank nicht begeistert, wenn Sie Ihren Kreditvertrag widerrufen wollen. Viele Kreditinstitute weisen einen Darlehenswiderruf zunächst einmal als unwirksam zurück und zeigen sich relativ unnachgiebig.

Erst wenn ein Rechtsanwalt für den Darlehensnehmer tätig wird und das Kreditinstitut deshalb konkret damit rechnen muss, gerichtlich verklagt zu werden, wird häufig erst Kompromissbereitschaft signalisiert.

Bevor Sie also vorschnell widerrufen, sollten Sie erst einmal Ihre Widerrufschance prüfen.

Darlehensvertrag: Wie Ihre Widerrufschancen stehen

Wenn Sie selbst erst einmal prüfen wollen, ob Ihr Darlehensvertrag widerrufbar ist, müssen Sie sich die Mustervorlage des Gesetzgebers für die Widerrufsbelehrung besorgen. Doch nicht irgendeine, sondern die, die für das Jahr gilt, in dem Sie Ihren Darlehensvertrag unterschrieben haben.

Das Widerrufsrecht für Immobilienkreditverträge wurde erst 2002 eingeführt. Dafür gab es eine Mustervorlage, die viele Kreditinstitute aber etwas umgestaltet haben – und genau hier lauert Ihre Chance, denn mehrere Gerichte haben die ursprüngliche Widerrufsbelehrung gekippt, weil sie nicht eindeutig genug war!

Widerrufsrecht: Was Sie prüfen sollten

Hat sich Ihre Bank genau an den Wortlaut des Gesetzgebers gehalten, können Sie Ihr Widerrufsrecht vergessen.

Besser sieht es bei den Banken aus, die ihre Widerrufsbelehrung selbst formuliert haben. Solche Widerrufsbelehrungen sind meist unwirksam und damit der Darlehensvertrag widerrufbar, denn die Widerrufsfrist – normalerweise beträgt sie 2 Wochen – hat also nie begonnen, so dass Sie Ihren Darlehensvertrag selbst noch Jahre später widerrufen können.

Welche Darlehensverträge vom Widerrufsrecht betroffen sind

Konkret geht es um Darlehensverträge, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden. Verbraucherschützer schätzen, dass 70 bis 80 Prozent dieser Verträge angreifbar und damit grundsätzlich auch widerrufbar sind.

Um das zu prüfen, müssen Sie zunächst Ihre Widerrufsbelehrung im Darlehensvertrag mit dem damals gültigen Mustertext für Widerrufsbelehrungen vergleichen. Und zwar Wort für Wort!

Finden Sie Abweichungen, ist Ihr Vertrag möglicherweise unwirksam. Wenn Sie´s genau wissen wollen, sollten Sie sich spätestens jetzt juristischen Rat einholen.

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, übernimmt die die Kosten eines Rechtsstreits nur, sofern es sich nicht um einen Neubau oder um ein vermietetes Objekt handelt. Ihre Chancen beim finanzierten Eigenheim stehen also gut!

Ansonsten gilt: Die Police muss nicht schon beim Abschluss des Kredits bestanden haben, sondern erst zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Bank weigert, den Widerruf anzuerkennen. Denn das ist dann der Schadenszeitpunkt. Sie könnten also erst dann noch eine Rechtsschutzversicherung abschließen und dann erst Ihren Widerruf abschicken.

Nur eben: Vor dem 21.6.2016 sollten Sie Ihren Widerruf abschicken. Die Zeit drängt also.